Zum Hauptinhalt springen

Gold im letzten Versuch: Clesio de Carvalho ist U18-Europameister

images/stories/Leichtathletik/2026/2026-Clesio-de-Carvalho-feiert-seinen-Triumph-bei-der-U18-EM-in-Rieti-Foto-IrisHensel.jpg#joomlaImage://local-images/stories/Leichtathletik/2026/2026-Clesio-de-Carvalho-feiert-seinen-Triumph-bei-der-U18-EM-in-Rieti-Foto-IrisHensel.jpg?width=2000&height=1334
Foto: Iris Hensel
Geschrieben von Martin Grundmann. Veröffentlicht in LA Aktuelles.

Was für einen Wettkampf hat uns Clesio am Samstagabend im Livestream geboten – und was für eine Nervenstärke bewiesen! Der erst 16-jährige gewinnt bei den U18-Europameisterschaften im italienischen Rieti das Kugelstoßen. Mit 20,15 Metern dreht der LGSZ-Athlet das hochklassige Finale im sechsten und letzten Versuch noch einmal zu seinen Gunsten und krönt sich zum Europameister.


Souverän durch die Qualifikation

Schon am Vormittag in der Qualifikation hatte das große Nachwuchstalent gezeigt, dass an diesem Tag mit ihm zu rechnen war. Gleich mit seinem ersten Versuch stieß er die Fünf-Kilogramm-Kugel auf 19,64 Meter. Die geforderte Qualifikationsweite von 18,80 Metern war damit deutlich übertroffen, der Finaleinzug souverän gesichert.
Nur der Pole Adrian Dral kam in der Qualifikation mit 20,03 Metern weiter. Auch der Italiener Antony del Pioluogo unterstrich mit 19,58 Metern seine Medaillenambitionen. 
Clesio ging selbstbewusst in die Entscheidung. Als Dritter der Meldeliste war er mit guten Medaillenchancen nach Rieti gereist, hatte aber bereits vor der Europameisterschaft deutlich gemacht, dass er sich noch mehr zutraute: Er wollte um den Sieg kämpfen. 


Ein Finale wie ein Krimi


Der Auftakt zum Finale am frühen Abend gelang. Mit 19,20 Metern setzte sich Clesio zunächst auf den zweiten Rang hinter Adrian Dral, der 19,70 Meter vorgelegt hatte. Doch dann geriet sein Wettkampf ins Stocken: Zwei ungültige Versuche folgten, während sich der Italiener Antony del Pioluogo mit 19,24 Metern an ihm vorbeischob.
Nach drei Durchgängen lag Clesio auf dem Bronzerang. Der Traum vom Titel war damit jedoch längst nicht vorbei.
Im vierten Versuch fand er seinen Rhythmus wieder. Die Kugel landete bei 19,78 Metern – Clesio übernahm erstmals die Führung. 
Doch das Finale hielt die nächste Wendung bereit. Clesios fünfter Versuch flog zwar über die 20-Meter-Marke, war jedoch ungültig. Kurz darauf konterte del Pioluogo mit 19,81 Metern und setzte sich drei Zentimeter vor den Hechinger.
Vor seinem sechsten und letzten Versuch lag Clesio damit auf dem Silberrang. Wollte er noch Europameister werden, musste er die Führung ein weiteres Mal zurückerobern. 


20,15 Meter – und grenzenloser Jubel


Clesio betrat noch einmal den Ring. Unter höchstem Druck bewies der LGSZ-Athlet im Nationaltrikot seine außergewöhnliche Wettkampfstärke. Er setzte zu seiner gewohnt schnellen Drehung an, brachte die Kugel kraftvoll auf den Weg – und sah sie hinter der 20-Meter-Linie einschlagen. Der Versuch war gültig: 20,15 Meter.
Der sonst so beherrschte Hechinger ballte die Faust und ließ seiner Freude freien Lauf. Mit seinem letzten Versuch holte er sich die Führung zurück und machte den bislang größten internationalen Erfolg seiner noch jungen Laufbahn perfekt. Der 16-Jährige, der noch dem jüngeren U18-Jahrgang angehört, ist Europameister.
Nach dem Wettkampf brachte er seine Gefühle selbst auf den Punkt: „Ich wusste, dass das in mir steckt!“ Die souveräne Qualifikation habe ihm zusätzliches Vertrauen gegeben. Besonders viel bedeutete ihm, dass er ausgerechnet bei der Europameisterschaft und im entscheidenden Moment als einziger Athlet die 20-Meter-Marke übertraf.

Auf den Punkt in Bestform


Der Titel von Rieti ist der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Entwicklung. Ende Mai hatte Clesio seine persönliche Bestleistung auf 20,68 Meter gesteigert und erstmals die 20-Meter-Marke durchbrochen. Anfang Juli gewann er bei den Deutschen U18-Meisterschaften die Titel im Kugelstoßen und im Diskuswurf. 
Damit gehörte er in Rieti zum Kreis der Medaillenkandidaten. Wie weit ihn sein Weg tatsächlich führen würde, entschied sich jedoch erst in einem Finale, das ihm alles abverlangte. Gerade dort zeigte Clesio seine besondere Stärke: Nach ungültigen Versuchen und mehreren Führungswechseln blieb er ruhig und rief seine beste Leistung genau dann ab, als sie gebraucht wurde.


Clesio de Carvalho setzt die internationale Erfolgsgeschichte der LGSZ fort


Mit seinem Europameistertitel setzt Clesio de Carvalho die Reihe herausragender internationaler Erfolge von Athletinnen und Athleten der LG Steinlach-Zollern fort. Sandrina Sprengel gewann 2022 Bronze bei den U20-Weltmeisterschaften und wurde ein Jahr später U20-Europameisterin im Siebenkampf. 2025 belegte sie bei den Weltmeisterschaften der Aktiven in Tokio einen starken fünften Rang. Ebenfalls 2023 holte Clesios älterer Bruder Kelson de Carvalho beim Europäischen Olympischen Jugendfestival Bronze im Kugelstoßen.
Nun steht Clesio selbst ganz oben auf dem europäischen Siegerpodest. Sein Titel besitzt damit nicht nur für ihn und seine Familie, sondern auch für die LG Steinlach-Zollern eine besondere Bedeutung. Hinter der Goldmedaille stehen unzählige Trainingsstunden, die Arbeit an Technik, Kraft und Bewegungsabläufen sowie die Unterstützung vieler Menschen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Clesios Familie und sein Heimtrainer Artur Hoppe. Noch am Tag vor dem Wettkampf holte sich der junge Athlet im Gespräch mit seinem Trainer, seiner Familie und einem erfahrenen Trainingskollegen Zuspruch und fachlichen Rat.
Auch seine älteren Brüder Kelmen und Kelson haben Clesios sportlichen Weg geprägt und ihn früh mit der Leichtathletik in Berührung gebracht. Inzwischen schreibt er seine eigene Geschichte – und hat bereits in seinem ersten Jahr in der U18 den Sprung auf den obersten Platz des europäischen Siegerpodests geschafft.
In Rieti zeigte Clesio eindrucksvoll, dass er auch auf internationaler Bühne und unter höchstem Druck seine beste Leistung abrufen kann. Er war als Medaillenkandidat angereist, hatte offen vom Sieg gesprochen – und behielt in einem Finale die Nerven, das bis zum letzten Stoß nicht spannender hätte verlaufen können.