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Deutsche Mehrkampfmeisterschaften: David Kleinschrodt holt Gold – Leonie Schinko knapp am Podest vorbei - Nina Richter mit großer Willensleistung

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Geschrieben von Martin Grundmann. Veröffentlicht in LA Aktuelles.

Bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften vom 28. bis 30. August 2026 in Hannover war die LG Steinlach-Zollern mit drei Athletinnen und Athleten vertreten – und alle drei sorgten auf ganz unterschiedliche Weise für bemerkenswerte Auftritte. Herausragend war der Zehnkampf von David Kleinschrodt, der sich mit starken 7.619 Punkten souverän den deutschen U20-Meistertitel sicherte. Leonie Schinko fehlten im Siebenkampf der WU23 als Vierte lediglich 23 Punkte zur Bronzemedaille. Nina Richter kämpfte sich im Siebenkampf der W15 trotz einiger Rückschläge und einer in der Vorbereitung nur eingeschränkt belastbaren Ferse mit großer Willenskraft bis zum Ende durch und belegte Rang zwölf.

David Kleinschrodt krönt starke Saison mit DM-Gold
Schon Mitte Juni hatte David Kleinschrodt beim internationalen Junioren-Mehrkampfmeeting in Filderstadt-Bernhausen mit 7.349 Punkten eine neue persönliche Bestleistung aufgestellt und dabei die Norm für die U20-Weltmeisterschaften in Eugene/USA deutlich übertroffen. Aufgrund der enorm starken innerdeutschen Konkurrenz blieb ihm dort allerdings nur die Rolle als Ersatzstarter. In Hannover zeigte der 19-Jährige nun eindrucksvoll, dass noch deutlich mehr in ihm steckt. Mit 7.619 Punkten steigerte er seine Bestmarke um satte 270 Zähler und wurde souverän Deutscher U20-Meister. 
Schon der Auftakt gelang mit 11,02 Sekunden über 100 Meter trotz deutlichen Gegenwinds ausgezeichnet. Im Weitsprung ließ sich Kleinschrodt auch von einem völlig missglückten ersten Versuch nicht aus dem Konzept bringen. Es folgten starke 7,22 Meter und schließlich 7,25 Meter, die größte Weite des gesamten Zehnkampffeldes. Damit übernahm er die Führung in der Gesamtwertung.
Im Kugelstoßen legte er mit 13,87 Metern die nächste persönliche Bestleistung nach und verteidigte seine Spitzenposition. Im Hochsprung blieb er mit 1,89 Metern zwar etwas unter seinen Erwartungen, büßte damit aber vergleichsweise wenige Punkte ein. Zum Abschluss des ersten Tages folgte dann wieder ein Ausrufezeichen: 49,57 Sekunden über 400 Meter bedeuteten eine weitere persönliche Bestleistung und die zweitschnellste Zeit des U20-Feldes. Mit 3.990 Punkten und bereits 262 Zählern Vorsprung ging der Maschinenbaustudent als klarer Führender in den zweiten Wettkampftag.
Und David machte am Samstag genau dort weiter. Über 110 Meter Hürden stürmte er in starken 14,41 Sekunden zur nächsten Bestzeit und zum Disziplinsieg.
Im Diskuswurf wurde es zunächst allerdings spannend. Der erste Versuch landete im Netz – plötzlich stand der Führende unter Zugzwang. Doch er reagierte eindrucksvoll: Im zweiten Durchgang traf er den Wurf hervorragend und steigerte seine persönliche Bestleistung auf 43,79 Meter.

Noch nervenaufreibender begann der Stabhochsprung. Bei 3,60 Metern war die Höhe zwar jeweils vorhanden, doch David Kleinschrodt kam zunächst nicht tief genug in die Anlage und touchierte beim Herunterkommen die Latte. Nach einem Fehlversuch wurde es auch im zweiten Durchgang nochmals knapp – doch die Latte blieb liegen und die ersten Punkte waren gesichert. Danach fand der LGSZ-Athlet immer besser in den Wettbewerb. Mit zunehmender Höhe wurden seine Sprünge sicherer und besser. Am Ende überquerte er 4,30 Meter und verbesserte seine bisherige Bestmarke gleich um 30 Zentimeter. Für den LGSZ-Athleten selbst war der Stabhochsprung später das Highlight seines zweiten Tages, wie er der Fachpresse vor Ort zu Protokoll gab. 
Sein Vorsprung war inzwischen so groß, dass ihm der Titel kaum noch zu nehmen war. Dennoch wollte David Kleinschrodt auch die Gesamtpunktzahl weiter nach oben treiben. Im Speerwurf fand er mit zwei Versuchen unter 45 Metern zunächst nicht richtig in den Wettbewerb. Wieder behielt er im entscheidenden Moment die Nerven: Im dritten Versuch flog der Speer auf 49,58 Meter.
Auch die abschließenden 1.500 Meter ging Kleinschrodt offensiv an, um seinen herausragenden Zehnkampf mit einer möglichst hohen Punktzahl abzuschließen. Das hohe Anfangstempo forderte auf den letzten 500 Metern seinen Tribut, dennoch brachte er das Rennen kämpferisch in 4:39,94 Minuten ins Ziel.
Dann stand fest: 7.619 Punkte, persönliche Bestleistung und Deutscher U20-Meister 2026. Sechs persönliche Einzelbestleistungen in zehn Disziplinen unterstreichen die außergewöhnlich starke Vorstellung. Silber ging mit 7.333 Punkten an Lennox Lewis Giesen vom TSV Bayer 04 Leverkusen, Bronze mit 7.150 Punkten an Quentin Roth vom SSV Ulm 1846. 
Besonderer Anteil an der Entwicklung gebührt auch Landestrainer Florian Bauder, unter dessen Betreuung er sich am Bundesstützpunkt in Stuttgart in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich weiterentwickelt hat. Innerhalb eines Jahres hat Kleinschrodt seinen Zehnkampf auf ein völlig neues Niveau gehoben.

Nina Richter beweist große Willenskraft
In der W15 ging Nina Richter im Siebenkampf an den Start. Die deutsche Vizemeisterin des Vorjahres in der W14 hatte keine einfache Vorbereitung hinter sich. Eine Fersenprellung am Sprungfuß hatte über Wochen insbesondere ein wettkampfnahes Sprungtraining nur eingeschränkt zugelassen.
Über 80 Meter Hürden eröffnete die Mössingerin ihren Siebenkampf mit 12,42 Sekunden und bewegte sich damit im Bereich ihrer Bestmarke. Eine noch bessere Zeit verhinderte vor allem eine etwas verhaltene Reaktion am Start.
Mit besonderer Spannung wurde anschließend der Hochsprung erwartet. Nach fast zwei Monaten mit nur eingeschränktem Sprungtraining war schwer einzuschätzen, wie die Ferse unter Wettkampfbedingungen reagieren würde. Nach anfänglicher Unsicherheit fand Nina Richter zunehmend besser in den Wettbewerb und überquerte schließlich souverän 1,49 Meter. Erfreulich war vor allem, dass die Ferse die Belastung weitgehend mitmachte. Bei 1,52 Metern konnte sie den Rhythmus ihrer vorherigen Sprünge allerdings nicht mehr ganz halten und blieb damit etwas unter ihren eigenen Erwartungen.
Vor dem Kugelstoßen setzte in Hannover Starkregen ein. Nach einer kurzen Unterbrechung mussten die Athletinnen ihre Probeversuche noch im unter Wasser stehenden Ring absolvieren. Zum Wettkampfbeginn hatte der Regen zumindest nachgelassen. Die Vorjahreszweite kam mit den schwierigen Bedingungen gut zurecht und stieß die Kugel auf 11,75 Meter – nur knapp unter ihrer persönlichen Bestleistung.
Wenig glücklich war anschließend der enge Zeitplan. Praktisch unmittelbar nach dem Kugelstoßen mussten die W15-Athletinnen zum 100-Meter-Start weiter. Für ein vernünftiges Aufwärmen blieb kaum Gelegenheit. Nina Richter fand deshalb nicht richtig in den dynamischen Sprint und musste sich mit 13,65 Sekunden zufriedengeben. Nach vier Disziplinen lag sie auf Rang elf. Trotz eines aus ihrer Sicht nicht optimalen ersten Tages, betrug der Abstand nach vorne nur gut 100 Punkte – für den zweiten Tag war also noch einiges möglich.
Entsprechend zuversichtlich ging die LGSZ-Athletin in den Weitsprung. Und schon der erste Versuch zeigte: Die Ferse hielt. Die 15-Jährige setzte einen weiten Sprung in die Grube – allerdings knapp übertreten. Im zweiten Versuch agierte sie im Anlauf etwas zu vorsichtig und verschenkte dadurch deutlich Weite. Nun musste der dritte Versuch sitzen. Nina Richter lief mutig an, sprang etwas vor dem Brett ab, traf aber den Absprung nicht optimal und kam auf 4,71 Meter. Statt den erhofften Anschluss an die vorderen Plätze herzustellen, fiel sie zunächst auf Rang 15 zurück.
Diesen Rückschlag unmittelbar abzuhaken, war nicht einfach. Umso höher ist ihr anschließender Speerwurf einzuschätzen. Schon im ersten Versuch brachte sie 34,38 Meter in die Wertung und arbeitete sich damit wieder auf Rang 14 nach vorne.
Vor den abschließenden 800 Metern war für Nina Richter klar: Noch einmal alles versuchen. Bei starkem Wind ging sie hoch motiviert ins Rennen, vielleicht sogar etwas zu offensiv. Die erste Runde lief sie an der Spitze einer Gruppe gegen den Wind deutlich zu schnell an. Auf den letzten 300 Metern musste sie diesem hohen Anfangstempo Tribut zollen und einige Konkurrentinnen noch passieren lassen. Nach 2:37,38 Minuten standen schließlich 3.638 Punkte und Rang zwölf zu Buche.
Die reine Punktzahl erzählt allerdings nur einen Teil dieses Siebenkampfs. Nina Richter musste an beiden Tagen immer wieder Enttäuschungen wegstecken – und fand dennoch jedes Mal die Motivation, in der nächsten Disziplin erneut anzugreifen. Gerade nach der schwierigen Vorbereitung und den Rückschlägen im Wettkampf zeigte sie damit eine außergewöhnliche Willensleistung. Für das Betreuerteam war deshalb weniger die Platzierung entscheidend, als die Art, wie sie diesen Siebenkampf zu Ende brachte: immer wieder aufstehen, neu fokussieren und weitermachen. Erfahrungen wie diese sind für die weitere sportliche Entwicklung oft mindestens ebenso wertvoll wie eine Medaille.

Leonie Schinko fehlen nur 23 Punkte zu Bronze
Am Samstag begann schließlich auch der Siebenkampf der weiblichen U23 mit Leonie Schinko. Und die 20-Jährige erwischte einen fulminanten Auftakt. Über die 100 Meter Hürden lief sie bei leichtem Gegenwind 13,95 Sekunden, war damit die Schnellste des gesamten U23-Feldes und blieb erstmals unter der 14-Sekunden-Marke.
Den Schwung konnte sie allerdings nicht vollständig in den Hochsprung mitnehmen. Nachdem die sprungstarke Athletin erst Anfang August bei den Baden-Württembergischen Mehrkampfmeisterschaften 1,72 Meter übersprungen hatte, musste sie sich diesmal mit 1,65 Metern begnügen. Bei 1,68 Metern war in allen drei Versuchen Endstation.
Auch im Kugelstoßen fand sie zunächst nur schwer in den Wettbewerb. Erst im dritten Versuch gelang mit 10,82 Metern noch eine einigermaßen versöhnliche Weite. Über 200 Meter folgten 25,98 Sekunden. Damit blieb Leonie Schinko deutlich hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurück – im vergangenen Jahr war sie bereits annähernd eine Sekunde schneller gelaufen. Nach einem insgesamt schwierigen ersten Tag lag sie auf Rang sechs. Entsprechend enttäuscht und geknickt fiel ihre Zwischenbilanz aus.
Über Nacht gelang es der Physik-Studentin jedoch, den ersten Tag abzuhaken und sich neu zu fokussieren. Am Sonntag ging sie wieder hoch motiviert und engagiert in den Wettkampf – und das zahlte sich aus. Mit starken 5,84 Metern im Weitsprung – allerdings bei 2,7 m/s Rückenwind – schob sie sich auf den vierten Gesamtplatz nach vorne. Im Speerwurf folgten ordentliche 35,55 Meter, mit denen sie ihre Position behauptete.
Vor den abschließenden 800 Metern war sogar noch das Podest in Reichweite. Leonie Schinko brachte mit 2:24,46 Minuten noch einmal eine gute Mittelstreckenleistung auf die Bahn und beendete ihren Siebenkampf mit 5.309 Punkten auf Rang vier.
Wie knapp es am Ende zuging, zeigt der Blick auf die Punktzahlen: Zur Bronzemedaille fehlten lediglich 23 Punkte, zu Silber, das Karoline Reidenbach von der LAV Stadtwerke Tübingen gewann, auch nur 38 Punkte. Damit verpasste sie das Podium denkbar knapp. Umso bemerkenswerter war, wie sie sich nach der Enttäuschung des ersten Tages zurückmeldete und mit einem engagierten zweiten Wettkampftag noch bis auf Rang vier nach vorne kämpfte.

 

Die LG Steinlach-Zollern-Ergebnisse im Detail:

W15:
Siebenkampf
(100m - Weitsprung - Kugelstoßen - Hochsprung / 80m Hürden - Speerwurf - 800m)

Nina Richter – 3.638 Punkte – Platz 12
(13,65 sec (-0,7) - 4,71 m (+0,7) - 11,75 m - 1,49 m / 12,42 sec (-0,3) - 34,38 m - 2:37,38 min)

WU23:
Siebenkampf
(100m Hürden - Hochsprung - Kugelstoßen - 200m / Weitsprung - Speerwurf - 800m)

Leonie Schinko – 5.309 Punkte – Platz 4
(13,95 sec (-0,5) (PB)   - 1,65 m - 10,82 m - 25,98 sec (-0,4) / 5,84 m (+2,7) - 35,55 m - 2:24,46 min)


MU20:
Zehnkampf
(100m - Weitsprung - Kugelstoßen - Hochsprung - 400m / 110m Hürden - Diskuswurf - Stabhochsprung - Speerwurf - 1500m)

David Kleinschrodt – 7.619 Punkte (PB) – Platz 1 – Deutscher Meister
(11,02 sec (-1,1) (PB)  - 7,25 m (+3,0) - 13,87 m (PB) - 1,89 m - 49,57 sec  (PB) / 14,41 sec (+0,8) (PB) - 43,79 m (PB) - 4,30 m (PB) - 49,58 m - 4:39,94 min)