Sommerabendwalking der LG Steinlach auf den Spuren der Beuremer Elsa
Trotz kalendarischem Herbstanfang war der letzte Donnerstag (1. September 2016) ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch und wie geschaffen für das Sommerabendwalking der LG Steinlach auf den Spuren der Beuremer Elsa. Unter den gut 20 Walkern und Walkerinnen, die zum Treffpunkt in Geißhäuser in Belsen kamen, kannten sechs die Beuremer Elsa noch persönlich. Wie oft hätte sich wohl Anna-Maria Saile, wie die Beuremer Elsa mit richtigem Namen hieß, so einen schönen Tag für ihren Aufstieg nach Beuren gewünscht.
So konnte man gleich zu Anfang vielen kleinen Erzählungen lauschen. Es war ein schönes Erzählen, Zuhören, Erinnerungen austauschen. Das hatten sich die Organisatoren der LG Steinlach auch so gewünscht. Das Orgateam hatte sich gut vorbereitet: Wusste man doch, an welchen Werkstätten, sei es beim Schuhhaus Wagner oder beim Gärtner Nill im Edelmannsweg oder in Waibach beim Rechenmacher, oder auf so mancher „Stäffel“ Elsa in vielen privaten Häusern vorbeigekommen ist, wo sie genau wusste, dass sie mit einer warmen Suppe, Linsen mit Spätzle oder auch gerne mit einem Glas Most versorgt wurde.
Schon der Probewalk auf der Originalstrecke der Beuremer Elsa war richtig abenteuerlich gewesen. Nach Erzählungen des Belsemers Gerhard Schlegel hatte man sich viele Punkte der Originalstrecke gemerkt und zum Glück auch wiedergefunden. Über schöne Streuobstwiesen ging’s Richtung Beuren bis zum Waldrand. Hier gleich die erste Abzweigung. Denn die jetzige Straße nach Beuren wurde erst in den 70-er Jahren fertig. Auf diesem unteren Teilstück zeigte sich schon, wie mühsam es wohl war, mit großem schwerem Rucksack, Rechen auf den Schultern und langem Mantel weiter nach oben zu kommen. Das obere Stück war nicht einfach. Eine kleine Brücke war zu überqueren und es ging vorbei an vielen dicken Buchen, deren Eingravierungen in der Rinde den Weg zeigten. Fast schon auf der Höhe angekommen, zeigten sich noch einige Grenzsteine und Wegsteine.
Elsa war eine Grenzgängerin; sie überschritt fast täglich sowohl die Landesgrenze, wie auch die Stadtgrenze und die Konfessionsgrenze. Auch über den Tellerrand (auch eine Grenze!) schaute sie hinweg. Hatte sie sich doch ein etwas anderes Leben aufgebaut. In einem Interview schon im Altersheim sagte sie: “Mir geht es hier gut. Es ist immer warm und ich habe ein gutes Essen.“
Oben ankommen zeigte sich ein schönes Gefühl, es geschafft zu haben. Zum Lohn war unter dem Kreuz ruck zuck ein gedeckter Tisch gemeinsam aufgebaut. Weiche Weckle, Senf in Löwenkopf-Schüsseln und Most in alten Steinkrugflaschen wurde hergerichtet. Wie gut ein Senfweckle schmeckt, entdeckten viele der Walker jetzt erst wieder. “Oh, wie lecker, wann habe ich das letzte Mal ein Senfbrot gegessen?“ Viel wussten es nicht mehr. Hier die Erinnerung dazu: In der Belsener Sonne, wo die Elsa oft zu Gast war, bestellte sie gerne ein Weckle (was zu dieser Zeit etwas Besonderes war!) und strich sich den Senf dazu. Vorsorglich achtete die Wirtin darauf, dass die Senfgläser nicht zu voll waren.
Ein besonderes Highlight in der wunderschönen Abenddämmerung: Das Orgateam hatte eine CD mit einer Originalaufnahme von Elsa, sie trägt hier ein selbst geschriebenes Gedicht von einem Klinikaufenthalt vor. Hier ein paar Strophen:
Und morgen werd ich operiert,
mit Jod eingeschmiert,
die Herren Doktor steh‘n umher,
als ob ich eine Sklavin wär…..
Mit diesen vielen besonderen Eindrücken walkte die Gruppe wieder ins Tal zum Ausgangspunkt zurück. Dort zeigte sich der Himmel mit einem wunderschönen Abendrot. Ob das die Beuremer Elsa für uns bestellt hatte? Man wusste, dass sie sehr gläubig war. Überall sah man frohe und zufriedene Gesichter. Sehr zur Freude der LG Steinlach Organisatorinnen, die viele positiven Rückmeldungen bekamen.
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