Das erste DNF im Triathlon – schade, aber auch wertvoll

Alexander Görzen von der LG Steinlach-Zollern musste beim Nordschwarzwald-Triathlon in Nagold auf der Hälfte des abschließenden Marathons aufgeben und sein erstes „DNF“ hinnehmen. Ein verkürzter Bericht darüber ist bereits an dieser Stelle veröffentlicht. Da die Hintergründe und Umstände dieses DNF aber doch sehr speziell und bemerkenswert sind, folgt hier noch die ausführliche Darstellung von Alex, der früher sehr erfolgreich für die LGSZ Triathlons absolvierte und auch für das Liga-Team im Einsatz war.
Eigentlich hatte ich gar nicht vor, beim Nordschwarzwald-Triathlon an den Start zu gehen. Mein Schwager hat mich irgendwann davon überzeugt, es doch einmal zu versuchen. Ich habe die Sache allerdings so lange hinausgezögert, dass zwischen meiner Entscheidung und dem Start gerade mal zwei bis drei Wochen lagen.
Entsprechend überschaubar war auch meine Vorbereitung. In dieser kurzen Zeit bin ich ungefähr 100 bis 160 km gelaufen und vielleicht 200 km mit dem Rad gefahren. Schwimmen war noch weniger: genau einmal bin ich einen Kilometer geschwommen – einfach um zu testen, ob die Technik überhaupt noch funktioniert. Viel Training konnte man das also beim besten Willen nicht nennen.
Trotzdem bin ich an den Start gegangen. Schließlich war es nicht mein erster Triathlon und ich kenne mich selbst gut genug, um zu wissen: ich kann zumindest versuchen, kämpfen und schauen, wie weit ich komme.
Um 6:30 morgens fiel an der Nagoldtalsperre der Startschuss. Früh war es natürlich, aber gleichzeitig war ich froh, überhaupt dabei zu sein. Besonders hilfreich war der Neoprenanzug. Ohne ihn wäre die erste Disziplin sicherlich deutlich schwieriger geworden. Die 3,8 km Schwimmen habe ich schließlich in 1:26 Stunden absolviert. Damit war der erste große Teil geschafft und es ging aufs Fahrrad.
Auf dem Rad begann es zunächst sehr angenehm. Erst einmal ging es bergab und ich konnte schön rollen lassen. Bis zum ersten Anstieg fühlte ich mich dementsprechend noch ganz gut. Doch der Anstieg hatte es in sich und zog sich deutlich länger, als ich gedacht hatte. Bereits ab ungefähr Kilometer 40 merkte ich, wie meine Oberschenkel langsam dichtmachten. In der zweiten Runde wurde es entsprechend schwieriger. Bei meinem Fahrrad war die Übersetzung für die Strecke beziehungsweise meinen Zustand einfach zu groß, und ich konnte nicht weiter runterschalten. Dadurch musste ich an den Anstiegen deutlich mehr Druck auf die Pedale bringen. Die dritte Runde war schließlich vor allem eines: Kampf. Aber mein Ziel war klar. Ich wollte die 180 km irgendwie schaffen und mich damit bis in die Wechselzone retten. Und tatsächlich: ich kam an.
In der Wechselzone zog ich mir die Laufschuhe an und machte mich auf die Laufstrecke. Schon nach dem ersten Kilometer war allerdings klar, dass die Oberschenkel praktisch komplett zu waren. Ich versuchte deshalb, das Tempo deutlich herauszunehmen und den Ironman einfach irgendwie zu Ende zu bringen. Mit einer Pace von ungefähr 7 bis 8 Minuten pro Kilometer wollte ich mich Stück für Stück vorarbeiten. Doch irgendwann war klar, dass mein Körper nicht mehr mitspielte. Beim Halbmarathon war Schluss. Die Oberschenkel waren komplett dicht, dazu kamen Kopfschmerzen und insgesamt das Gefühl, dass mein Körper ganz deutlich sagte: „Nein, heute wird das nichts.“
Also traf ich die Entscheidung, die mir nicht leichtfiel: Ich stieg aus meinem Langdistanz-Triathlon aus. Es war das erste Mal, dass ich einen Triathlon nicht beendet habe. Natürlich wäre es schöner gewesen, ins Ziel zu laufen und die komplette Langdistanz zu finishen. Aber gleichzeitig nehme ich aus diesem Tag eine wichtige Erfahrung mit. Mit praktisch nur zwei bis drei Wochen Vorbereitung an eine Langdistanz zu gehen, war sicherlich nicht die beste Idee. Dass ich trotzdem 3,8 km geschwommen und anschließend 180 km Rad gefahren bin und danach noch einen Halbmarathon gelaufen bis, zeigt mir aber auch, dass der Wille und der Kampfgeist vorhanden waren. Am Ende musste ich akzeptieren, dass man einen solchen Wettkampf nicht nur mit Willenskraft bezwingen kann. Der Körper braucht die entsprechende Vorbereitung – gerade für die Langdistanz. Der Nordschwarzwald-Triathlon war deshalb für mich kein verlorener Wettkampf, sondern eine Erfahrung, die ich definitiv mitnehmen werde. Manchmal besteht die Herausforderung nicht darin, ins Ziel zu kommen, sondern zu erkennen, wann der Körper sagt, dass es heute einfach nicht mehr geht.


